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Sol: Exodus Test

Durchschnittliche Weltraumkost zu günstigem Preis

Die besten Zeiten der Weltraum-Shooter liegen klar in den 1990ern. Zusammen mit den Adventures konnten Wing Commander, Tie Fighter, Freespace und Konsorten die Spielerscharen im Sturm begeistern. Doch während das Adventure-Genre mit hochklassigen Neuerscheinungen ein kleines Revival feiern kann, gibt es im All seit langem nichts Gutes. Mit Sol: Exodus kann immerhin mal ein Achtungserfolg gefeiert werden.

Auf der Suche

SOL: ExodusWelch perfekte Analogie: Die Menscheit sucht in Sol: Exodus nach einem neuen Planeten, da die geliebte Mutter Erde auf die letzten Jahre zugeht. Ähnlich sieht es im Bereich der Weltraumsimulationen aus, nur dass das Genre hier schon lange tot vor sich hinröchelt. Sol: Exodus versucht immerhin, mit einer interessanten Geschichte über eine verzweifelte Menschheit und eine fanatische Sekte wieder etwas Leben in den Kadaver zu pusten. Leider gelingt das nur teilweise, da die Geschichte lediglich durch mässige Dialoge im Cockpit vorangetrieben wird. Zwischensequenzen, geskriptet oder animiert, sucht man vergeblich. Lediglich das Intro kann mit seinen schön gezeichneten Standbildern überzeugen. Doch das alleine ist leider nicht genug, denn die Geschichte entwickelt sich nur langsam und kann durch das zähe Tempo nicht an Fahrt gewinnen. Das liegt auch an der kurzen Spieldauer: Es werden nur acht Missionen geboten, die zwar lange dauern, allerdings nicht sehr stark motivieren. Dafür sind die Aufgaben zu eintönig und das Geballere zu monoton.

Ordentliche Grafik

SOL Exodus Screenshot: Nebel scheint es auch zu gebenSol: Exodus nutzt die bekannte Unreal-Engine und kann dadurch einen ordentlichen grafischen Eindruck hinterlassen. Zwar besitzen die Modelle etwas wenig Polygone, und den Texturen mangelt es an Schärfe, dennoch kann das All mit dem einen oder anderen Effekt überzeugen.

Ebenfalls ordentlich ist das Fluggefühl. Die Entwickler von Seamless Entertainment haben es verstanden, das Trägheitsmoment der Raumschiffe gut auf den Bildschirm zu übertragen. Leider gibt es nicht genügend Feedback bei Kollisionen mit anderen Raumschiffen. Besonders der fehlende Ton fällt hier negativ auf. Immerhin erleidet das eigene Raumschiff mittlerweile Schaden, in der englischen Verkaufsversion war dies noch nicht der Fall. Überhaupt wurden seit der Steam-Veröffentlichung einige Fortschritte gemacht. So gibt es nun auch ein vollständig in 3D modelliertes Cockpit, welches die Atmosphäre fördert. Die deutsche Ladenversion kommt mit deutschen Untertiteln. Die Sprachausgabe bleibt englisch.

Ferner ist die Musik ein klarer Negativaspekt. Die atmosphärischen Weltraumklänge passen zwar gut zum freien Flug, jedoch wirkt der Soundtrack vor allem bei den Gefechten mehr als nur deplatziert. Das wird insbesondere beim neuen Survival-Modus offensichtlich, bei dem die Musik vollständig fehlt.

Tolle Steuerung, wenig Abwechslung

SOL Exodus Screenshot: Die Atlas kehr zurückFast schon vergessen wurde der altehrwürdige Joystick. Sol: Exodus lässt euch dieses Gerät wieder aus der Mottenkiste holen, denn die Unterstützung des Sticks ist hier wunderbar gelungen. Zwar lässt sich der Weltraum-Shooter auch ordentlich mit Gamepad oder Maus und Tastatur steuern, doch der Joystick bleibt hier die erste Wahl. Dabei lassen sich alle Knöpfe frei belegen, so dass sich alle Funktionen gut auf den Steuerknüppel verteilen lassen.

Leider ist das Gameplay von Sol: Exodus nicht so variabel. Neben dem bereits erwähnten Survival- und dem Storymodus gibt es nicht viel zu entdecken. Weder einen Mehrspielermodus noch Trainingssimulationen oder andere Herausforderungen. Da die Kampagne mit acht Missionen relativ kurz ist und die Missionen darüber hinaus nicht mit abwechslungsreichem Design überzeugen können, wird Sol: Exodus leider schnell etwas langweilig. Dabei ist die Begrenzung auf nur ein steuerbares Schiff nicht besonders hilfreich. Da hilft auch nicht die Möglichkeit, die Waffen, den Antrieb oder die Schilde des Schiffes aufrüsten zu können. Ebenfalls unangenehm fällt die nicht vorhandene Variabilität der Gegnerschiffe auf. Feinde greifen meist mit zwei, maximal drei unterschiedlichen Kampfschiffen an.

Etwas Abwechslung in die faden Gefechte bringen die Hacker-Elemente. Grosskampfschiffe könnt ihr mit diesem kleinen Minispiel analysieren, so dass euch die Schwachstellen angezeigt werden.

Fazit von Patrik Nordsiek

Etwas ernüchtert bin ich ja schon. Seit geraumer Zeit konnte mich keine Weltraumsimulation mehr so richtig vom Hocker reissen. Auch Sol: Exodus schafft es nicht, mich wirklich zu begeistern. Dabei ist das doch wirklich so leicht! Mangels Konkurrenz könnte eine Weltraumsimulation mit ordentlicher Geschichte, gutem Fluggefühl und spannendem Missionsdesign ein echter Abräumer werden. Doch genau daran scheitern so viele Spiele, wie auch Sol: Exodus. Dabei erwarte ich noch nicht mal aufwändige Zwischensequenzen, wie sie einst Wing Commander bot. Alleine vernünftig geskriptete Spielsequenzen sowie interessante Charaktere könnten das Spiel auflockern.

Dennoch will ich nicht so viel meckern. Sol: Exodus ist ein ordentlicher Weltraum-Shooter mit leider viel zu kurzer Kampagne und zu monotonem Leveldesign. Darüber hinaus zerstört der katastrophale, weil fast nicht vorhandene Soundtrack die Atmosphäre. Doch dafür gibt es eine vernünftige Steuerung und ein passables Fluggefühl. Seamless hat die Basis für einen guten Weltraum-Shooter gelegt. Für einen Nachfolger ist allerdings noch genügend Luft nach oben.

Original und Wertung veröffentlicht bei Gbase.ch.

Nachricht veröffentlicht am 20.08.2012 | Kommentare (0)

Tags: SOL: Exodus, Test